Hintergrund

Die neue Wasserpumpe

Die neue Wasserpumpe

Seit der Trockenheit der 80er Jahre in der Sahelzone sind viele Menschen im Tschad aus den östlichen und nördlichen Gebieten an den Tschadsee migriert, wo sie ein produktiveres Klima vorfinden, sowohl für die Weiden der Tiere, als auch für die Felder. Die Oberfläche des Sees hat sich aber in den letzten 40 Jahren drastisch reduziert und der Zugang zum Wasser ist schwierig geworden. Im Tschad gibt es zwar noch offenes Wasser im Sinne eines Sees, aber auch dort ist der Zugang schwierig, da immer mehr Menschen und Nutztiere um die immer knappere Ressource Wasser wetteifern.

Naira

Naira ist ein kleines Dorf in der Hadjer-Lamis Region (Sous-préfecture von Tourba) mit ca. 200 Einwohnern (meist Choua-Araber) und ungefähr 300 Kühen und 100 Ziegen. Die Menschen betreiben traditionellen Ackerbau und Viehzucht, haben aber keinen Zugang zu Schulbildung und das nächste Gesundheitszentrum liegt in über 3 Stunden Fussweg Entfernung. Das Dorf ist typisch für die Region mit den verbreiteten Schwierigkeiten wie Ernährungsunsicherheit, Ernteverlust infolge von Heuschreckenschwärmen, Vögeln oder Überschwemmung und der Knappheit von Weideland. Der Zugang zu Wasser (während der Trockenzeit werden oft Fusswege von mehr als einer Stunde in Kauf genommen) ist wie bei den meisten Dörfern aber die grösste Priorität.

Es gibt allerdings einen grossen Unterschied zu anderen Dörfern der Zone mit denselben Problemen: Die Bevölkerung von Naira hat versucht, sich selbst zu helfen, und das dringende Wasserproblem zu lösen. Sie hatten miteinander Geld gesammelt und sich eine Handpumpe gekauft und installiert. Das Geld, das sie dafür ausgegeben haben entspricht etwas dem Preis von 35 Ziegen oder 5 erwachsenen Kühen. Die Arbeiten wurden allerdings sehr unprofessionell von auswärtigen Technikern aus N’Djaména erledigt, und die Pumpe versandete nach wenigen Wochen, und wurde damit irreparabel beschädigt. Die mangelnde Bildung und Expertise der Menschen hat dazu geführt, dass sie trotz Eigeninitiative und viel Enthusiasmus am Ende wieder ohne Wasser, und schlimmer noch, auch ohne Geld für weitere Investitionen dastanden.

Montage der Pumpe

Brunnen mit Dornen geschützt

klares Wasser aus der Pumpe

Bei der Pumpeninstallation (oben links) half das ganze Dorf mit. Zum Schutz des noch feuchten Zements vor Ziegen und Kindern werden Zweige mit Dornen darum herum platziert (oben mitte). Die Wasserqualität der Pumpe ist gut, das Wasser klar mit einem leicht bitteren Geschmack (oben rechts).

Bonzenclub Projekt

Der Bonzenclub wollte die Eigeninitiative dieses Dorfes unterstützen und hat deshalb zuerst mit einem erfahrenen Techniker den Zustand der Pumpe angeschaut, um sie reparieren zu können. Als man sah, dass ein neuer Schacht gegraben werden müsste, hat der Bonzenclub beschlossen, eine Komplette Neuinstallation der Pumpe zu finanzieren. Mit Hilfe der Dorfbevölkerung und unter professioneller Anleitung wurde im Dezember 2010 ein neuer Schacht gebaut und die Pumpe installiert. Seither fliesst das Wasser für Mensch und Tier in Naira. Die Bevölkerung von Naira hat einen kleinen Gemeinschaftsfonds eingerichtet, der sich neben Reparaturen an der Pumpe auch und um die Lagerung von Getreidevorräten oder kranke und hilflose Menschen kümmert.

Bei einem Besuch eines Vertreters des Bonzenclubs im April 2011, erzählten die Bewohner, dass sich ihre Situation sehr gebessert hätte, vor allem für Frauen und Kinder, die jetzt nicht mehr weite Fusswege auf sich nehmen müssen, um Oberflächenwasser zu holen. Die Qualität des Wassers ist gut, die Menschen müssen sich auch nicht mehr wie zuvor um parasitäre Erkrankungen sorgen, da das Wasser durch den Boden ausreichend gefiltert wird, und der Schacht komplett verschlossen und vor Verunreinigungen geschützt ist. Im Oktober 2011, bei einem weiteren Besuch informierten uns die Frauen im Dorf, dass ihre Kinder viel weniger an Durchfall und Bauchschmerzen litten.

Frauen beim Mais schälen (links), die Kinder von Naira (mitte) und die Tiere (rechts), die nun nicht mehr jeden Tag grosse Distanzen zum Wasser geführt werden müssen und das frische Wasser sichtlich geniessen.

Kosten des Projekts

  • Situationsanalyse und Kostenvoranschlag Techniker: 50'000 FCFA = ca. 100 sFr
  • Koordination der Arbeiten: 50'000 FCFA = ca. 100 sFr
  • Baumaterial und Installation: 800'000 FCFA = ca. 1600 sFr

Bilder

  • Einfamilienhaus
  • Frau am Wasser pumpen 2
  • Frau am Wassser pumpen
  • Junge Frauen aus Naira
  • Kinder
  • Planungsarbeiten
  • PumpentestBonzenclub
  • Tiere und Menschen leben beieinander
  • Znachtvorbereitung