Hintergrund

Jugendliche im Quartier Moursal/Paris-Congo in der tschadischen Hauptstadt N'Djaména

Jugendliche im Quartier Moursal/Paris-Congo in der tschadischen Hauptstadt N'Djaména

Das Centre Culturel Loyola (CCL) ist ein Quartierzentrum vor allem für Jugendliche im Quartier Moursal/Paris-Congo in der tschadischen Hauptstadt N'Djaména. Es entspricht in etwa einem Jugendhaus bei uns in der Schweiz. Das Centre ist von Katholiken (Jesuiten) geleitet, aber offen für alle, und wird auch von vielen Muslimen und Musliminnen besucht. Ein breites Spektrum an Aktivitäten wird angeboten, Jugendarbeit, Karatekurse, Computer und Maturakurse, Theater und Tanzdarbietungen und jeden Abend Kinovorstellungen für 10 Rappen Eintritt pro Person (zum Vergleich: Normale Quartierkinos kosten sonst 20 Rappen). Die Filme haben oft einen bildenden Wert, zum Beispiel handeln sie von Personen, die Malaria oder eine andere Krankheit bekommen, wobei die ganzen Präventions- Hygiene- und sozialen Botschaften vermittelt werden. Auch Sexualität, Gewalt, Frauenrechte, Ehebruch, Schwangerschaft (gewollt und ungewollt), Religion (ein Film handelte von einem christlichen Mädchen, das plötzlich in die Moschee geht und um einen muslimischen Jungen, der plötzlich in die Kirche will) etc werden thematisiert. Es sind ausschliesslich Spielfilme, keine Lehrfilme (zwischendurch auch Actionfilme oder Fussball).

Todo

Das Zentrum spricht vor allem Junge an, als Treffpunkt, aber auch als Platz zum lernen und lesen (sie haben auch eine kleine Bibliothek) und als Anlaufstelle für Menschen in schwierigen familiären und sozialen Situationen. Es gibt auch öffentliche Diskussionen um kontroverse und aktuelle Themen wie Libyen/Gaddafi oder afrikanische Philosophie etc. Für den Tschad ist das ein ausserordentlich fortschrittliches Zentrum, das einen aktiven Beitrag zur Verständigung und Ausbildung der Jugendlichen leistet.

Bonzenclub Projekt

Die neue Internetverbindung wird rege benutzt.

Die neue Internetverbindung wird rege benutzt.

Was dem CCL noch fehlte, war eine Internetverbindung. Sie hatten bereits gut ausgerüstete Computerräume, aber Internet wurde nur theoretisch vermittelt, da die Finanzierung für eine Verbindung fehlte.

Vor dem Hintergrund der arabischen Revolution, die wohl früher oder später nach Schwarzafrika überschwappen wird, und den "Wahlen", die im Frühling 2011 durchgeführt wurden - eine typische Farce-Wahl zur Legitimierung und Bestätigung des Präsidenten - und ausserdem der grossen Jugendarbeitslosigkeit auch bei gebildeten Jugendlichen (Jobs erhält man wenn, dann nur durch Beziehungen) ist dieses Projekt hochaktuell. Es scheint zwar simpel, Internetzugang zu gewähren, aber hier gibt es den Jugendlichen die Möglichkeit, sich zu vernetzen, sich zu bewerben für internationale Studiengänge und Praktikas und mit dem Zugang zu Facebook etc hat es schon fast eine subversive politische Komponente im heutigen globalen Kontext.

Die ökonomische Nachhaltigkeit ist dadurch gewährleistet, dass das Centre einen kostendeckenden Betrag verlangt für die Internetnutzung, aber dieser liegt deutlich unter den Preisen der Internetkaffees trotz schnellerer Verbindung. Bereits nach 6 Monaten war das Internetcafé gut etabliert und wurde rege genutzt. An Wochenenden müssen die jungen Leute oft sogar Schlange stehen, um an einen der begehrten Computerplätze zu kommen.