Hintergrund

Burma befindet sich in Zentralasien, mitten in einem Gemisch von Kulturen, beherbergt eine grosse Diversität an Ethnien und Völkern und ist deshalb von einer grossen Menge an unterschiedlichen Bräuchen geprägt. Das Land wird seit mehr als 40 Jahren von einer Militärjunta regiert und die verschiedenen ethnischen Gruppen werden unterdrückt, um zu verhindern, dass sie in der Politik mitbestimmen, sich vom Zentralstaat entfernen und eine gewisse Autonomie erlangen. Als 1990 die National League For Democracy, geführt durch die Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, die Wahlen gewonnen hatte, wurde das Resultat von der burmesischen Regierung nicht anerkannt und die repressive Politik gegen ethnischen Minderheiten wie den Karen, den Shan oder den Kachin fortgesetzt.

Viele dieser Gruppen leisten Widerstand gegen die Diktatur und die Militärjunta zerstört im Gegenzug ihre Dörfer und macht einen grossen Teil der Bevölkerung zu Obdachlosen und zu Flüchtlingen im eigenen Land. Für viele Burmesen ist die letzte Möglichkeit die Flucht ins benachbarte Thailand um sich und ihre Familien dem Einflussbereich der Militärs zu entziehen. Viele Familien sind nach Thailand geflohen aus Angst vor Zwangsarbeit, Folter und Tod in ihrer Heimat. Nach der Flucht müssen sie nun versuchen eine Infrastruktur aufzubauen die ihnen Nahrung und einen Schutz bietet. Der thailändischen Regierung ist jedoch die grosse Zahl an Flüchtlingen unangenehm und vor allem die Stärke der burmesischen Armee. Thailand beschränkt deshalb die Zahl der Flüchtlinge um die Junta nicht zu verärgern und die Flüchtlingsflut über die Grenze einzudämmen. Viele der Flüchtlinge sind deshalb heutzutage illegal in Thailand und haben ebenso Angst vor den thailändischen Behörden, da diese sie, wenn erkannt, zurück nach Burma schicken würden.

Laut dem US Committee for Refugees gab es in Burma ende 2004 mindestens 600'000 und vielleicht bis zu 1 Million "Internally Displaced People", Menschen die innerhalb Burmas vertrieben und auf der Flucht sind. Die Grenzregionen welche die Minderheiten bewohnen, werden ständig von der burmesischen Armee überfallen, Menschen werden vergewaltigt, Dörfer verbrannt und gebrandschatzt. Entführungen in die Prostitution oder als zukünftige Kindersoldaten sind weit verbreitet. Grosse Mengen an Teenagern und Kindern werden gefangen, als Träger, Zwangsarbeiter oder als Söldner in der Armee eingesetzt. Human Rights’ Watch meldet dass die burmesische Armee ungefähr 70'000 Kindersoldaten rekrutiert hat (beinahe ein Viertel der Welt) und regelmässig Kinder von bis zu 12 Jahren gegen verfeindete Gruppen auf die Schlachtfelder stellt. Aufgrund der ständigen überfällen sind viele Minoritäten ins Grenzgebiet gedrängt worden wo sie als Vertriebene leben und in den benachbarten Ländern Bangladesh und Thailand Zuflucht suchen müssen.

Die Flüchtlinge die wir unterstützt haben stammen vom Volk der Karen auf der burmesischen Seite der Grenze wo der Kampf trotz einem formellen Waffenstillstand immer noch weiter geht und es mehr als 100'000 Flüchtlinge im Urwald hat. Diese Menschen leben in einer ständigen Unsicherheit wann der nächste Angriff stattfinden wird und sie wieder fliehen müssen. Da ihr Gebiet an Thailand angrenzt leben viele der Karen in UNHCR Flüchtlingslagern in Thailand als illegale Arbeiter. Heute sind aber die meisten Flüchtlingslager voll und die Flüchtlinge leben auf dem Land in der Nähe der Grenze. Die Kinder müssen Ihre Ausbildung unterbrechen um Nahrung zu beschaffen, aus Lehrermangel oder Sicherheitsbedenken. Auch werden die Kinder von ihren vom Nahrungsmangel bedingten schwachen Gesundheitszustand von den Schulen abgehalten. Weder Thailand noch Burma erlauben internationalen Organisationen den illegalen Flüchtlingen zu helfen.

Trotz der schwierigen Situation müssen sie sich dort so gut es eben geht durchschlagen. Der finanzielle Aufwand in den Flüchtlingslagern wird hauptsächlich von verschiedenen NGOs getragen. Sie versuchen die Flüchtlinge mit Nahrung, Medizin und Schulbildung zu versorgen, um nach ihrer Rückkehr eine selbständige Organisation der Zivilgesellschaft in Burma zu ermöglichen. Die illegalen Flüchtlinge bekommen jedoch ausserhalb der Flüchtlingslager wenig Unterstützung. Aber auch für sie ist eine Schule wichtig, um ein soziales Netzwerk für den Kern einer zukünftigen Zivilgesellschaft aufzubauen und die Kinder dafür auszubilden. Die Schule wurde von den Flüchtlingen selber gebaut und ausgestattet. Die Hilfsorganisationen dürfen die illegalen Flüchtlinge nicht versorgen, sie erscheinen auch in keiner Statistik und können daher auch nicht auf die Thailändischen Behörden zählen für Unterstützung, sie müssen sich das tägliche überleben, Essen und Schulmaterial alles selber besorgen.

Die Schule von Koah Twa Pah

Das Dorf besteht aus 5 Familien der Karen die vom Konflikt in Burma vertrieben wurden. Sie flohen über die Grenze und wollten sich in den Flüchtlingslagern in Thailand registrieren lassen, wurden aber nicht aufgenommen, da diese schon überfüllt sind. Sie liessen sich also auf der thailändischen Seite der Grenze nieder in einem versteckten Dorf, jedoch mit der ständigen Angst von der thailändischen Grenzkontrolle entdeckt und wieder nach Burma geschickt zu werden.
Die landwirtschaftliche Produktion ist grösstenteils unterbrochen und das ganze Dorf muss sich behelfsmässig um Esswaren kümmern um zu überleben. In solch einer Situation können die Kinder nicht regelmässig zur Schule gehen, da sie die Eltern in der täglichen Essensbeschaffung unterstützen müssen.

Ziel

Eines der Ziele der Spende war, den Flüchtlingskindern eine fortdauernde Ausbildung zu ermöglichen in einer möglichst stabilen Situation. Ihr Nahrungsbedarf würde für ein halbes Jahr gedeckt in welchem die Kinder nicht arbeiten müssten, um aus dem versteckt kultivierten Land mit ihren Eltern Nahrung zu gewinnen oder im Grenzfluss zu fischen. Unsere Spende sollte ein Zeitfenster öffnen welches ihnen erlaubt die Schule mit einem gesicherten Nahrungsmittelnachschub ruhig zu besuchen. Die Spende sollte auch für ihre Familien den Nahrungsmittelmangel verkleinern, so dass sie für einige Zeit nicht mehr versteckt um Nahrung kämpfen müssten, die Kinder nicht mehr auf dem Feld benötigten, sie sich auf organisatorische Sachen wie das Verbessern des Schulgebäudes konzentrieren könnten.

Was wurde erreicht

Mit dem gespendeten Geld konnten 60 Reissäcke, Fischpaste und Gemüse gekauft werden. Sie wurden von Maesot (der nächsten Stadt) in die nähe des Schulgebäudes transportiert, in einem Lagerhaus eingelagert und von dort in kleineren Portionen zur Schule transportiert. Der Kauf von Nahrungsmitteln wurde dem von Schulmaterial vorgezogen da das Lebensnotwendige halt Priorität hat, auch beim Unterhalt einer Schule.
Die Nahrungsknappheit wurde damit für längere Zeit aufgehoben und die Schüler und das Dorf können sich nun wieder auf organisatorische Dinge konzentrieren, ihr Dorf und die Schule ausbessern und versuchen den Kampf für mehr Menschenrechte in Burma mit Hilfe der Presse weiter zu führen. Mit unserer Spende konnte ein vergleichsweise grosse Menge an Reis gekauft werden die es der Lehrerin und den Schülern erlaubte ihre Konzentration weg vom täglichen Kampf ums überleben zu lenken zu anderen Angelegenheiten wie dem Unterhalt der Schule und ihrer Gemeinschaft zu widmen. Die Möglichkeit einer besseren Bildung erlaubt auch ihre Aufmerksamkeit von den Kampfgeschehnissen abzulenken.

Was konnte nicht erreicht werden

Geld zu spenden bringt leider obwohl es die Situation momentan erleichtert, keine langfristige Lösung welche nur durch einen Regierungswechsel in Burma oder eine Änderung des Flüchtlingsstatus in Thailand verbessert würde. Da die Situation wie oben beschrieben sehr unsicher ist, wäre ein langfristiges Projekt kaum möglich gewesen. Ein Ansatz zur Erleichterung der Situation der Flüchtlinge müsste bei den thailändischen Behörden im grösseren Umfang beginnen.

Wie weiter?

Heute sind die Bewohner des Dorfes wieder nach Burma gezogen, ins Gebiet der Karen. Sie geniessen dort von den Rebellen der Karen auch eine gewisse Sicherheit und die Kinder können in einem grösseren Dorf mit anderen zusammen in die Schule gehen. Sie werden finanziell weiter von privaten Spendern unterstützt und können so hoffentlich von einer ziemlich stabilen Ausbildung profitieren.

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